Marxst du noch mehr?

Ab Donnerstag (19.04.2012) startet die diesjährige Marxexpedition an der Uni Leipzig.

Spätestens seit Herbst 2008 sind auch die lautesten Verfechter der Auffassung, Kapitalismus bringe zwangsläufig Wachstum, Wohlstand und Stabilität mit sich, ziemlich still geworden. Das konservativ-liberale Weltbild scheint ins Wanken geraten zu sein, so dass eingestandene Konservative, wie z. B. der britische Journalist Charles Moore, auf einmal zu glauben beginnen, dass die Linke wohl doch recht habe.
Was im Jahr 2007 als Krise des US-Immobilienmarktes begann, hat sich bis heute zu einer handfesten Weltwirtschafts- und Fiskalkrise ausgeweitet, so dass mittlerweile die Zukunft der europäischen Währungsunion auf dem Spiel steht. Unter deutsch-französischer Führung sollen die Haushaltsprobleme mittels radikaler Sparpolitik auf Kosten der LohnarbeiterInnen, vor allem in der europäischen Peripherie, gelöst werden. In Griechenland kommt es daher zur Zeit zu massiven sozialen Protesten.
Hier und da wird die Krise auf das moralische Fehlverhalten einiger Akteure zurückgeführt: gierige ManagerInnen, faule SüdeuropäerInnen oder verantwortungslose PolitikerInnen. Die Erklärungen scheinen sich gegenseitig in Oberflächlichkeit zu überbieten und die sogenannten ExpertInnen wirken ebenfalls reichlich überfordert mit dieser angeblich völlig neuen Situation.
Dabei gibt es schon seit langem unorthodoxe SozialwissenschaftlerInnen, die sich durch Rückgriff auf einen viel gescholtenen Klassiker kritisch mit obigen Phänomenen auseinandersetzen. Dieser Klassiker ist natürlich kein Anderer als Karl Marx. Wer einmal einen Blick in sein gut 140 Jahre altes Kapital wirft, dürfte erstaunt von der aktuellen Relevanz seiner Kapitalismusanalyse sein.
Was liegt also näher, als sich einmal genauer damit zu beschäftigen, was wir für das 21. Jahrhundert von Marx lernen können? Diese Herangehensweise ist vielleicht etwas anstrengender, ganz sicher aber weniger populistisch und oberflächlich, als das, was das Medienspektakel zu bieten hat.
Wir haben daher neun dieser kritischen Sozialwissenschaftler eingeladen, um einen Einblick in die Marxsche Gesellschaftstheorie zu erhalten und davon ausgehend mit euch diese aktuellen Phänomene diskutieren zu können. Vielleicht wird dann auch verständlicher, warum das herkömmliche neoliberale Weltbild auf einmal an Standfestigkeit verliert.
Ziel ist, sich mit so scheinbar selbstverständlichen Phänomenen wie Kapitalismus, Staat, Arbeit und Moral aus einer etwas anderen Perspektive auseinanderzusetzen.

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Alle Vorträge finden im Hörsaalgebäude statt und beginnen um 19 Uhr.

19.04. 16.30 Uhr Michael Heinrich – Workshop zur Kritik der Politischen Ökonomie (HS 16)

19.00 Uhr Michael Heinrich – Das Marxsche „Kapital“ in Zeiten der Finanzkrise (HS 1)

02.05. Ingo Elbe – Anonyme Herrschaft und Fetischismus. Moderne Machtverhältnisse und ihre Selbstverrätselung (HS 2)

23.05. Christoph Türcke – Marx und die Grenzen der Dialektik (HS 2)

31.05. Christian Schmidt – Entfremdung. Die Schizophrenie im Kapitalismus (HS 1)

11.06. Alex Demirovic – Wie normativ ist die Marxsche Kritik der kapitalistischen Gesellschaft? (HS 8 )

19.06. Ulrich Brieler – Die Empire-Trilogie von A. Negri und M. Hardt. „Das Kommunistische Manifest“ des 21. Jhd? (HS 1)

28.06. Heiner Ganßmann – Kapital und Arbeit. Ein aktueller Gegensatz? (HS 1)

05.07 Joachim Hirsch – Form und Geschichte des kapitalistischen Staates (HS 1)

12.07. Klaus Dörre – Landnahme und Wachstumszwang. Zu den Grenzen kapitalistischer Dynamik (HS1)

Katzenstreik – Solves your problems!

Bei dem Album „Solves your problems!“ aus dem Jahre 2003 handelt es sich um eine der Platten der Band Katzenstreik, die eher durch ihre Beständigkeit als durch ihren Abwechslungsreichtum glänzt. Soll also nicht heißen, die Songs seien eintönig oder langweilig, nur weil sie eben nicht so viele Genres bedienen, wie es zum Beispiel das Album „IIII“ noch getan hatte. Das Cover kommt zweifarbig daher und zeigt eine traurige Person, die inmitten einer grafisch verzerrten Häuserschlucht so etwas wie einen fliegenden Fisch an der Leine führt.
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A-Seite:

Der erste Song heißt „magic love“ und richtet sich entsprechend dem Titel an einer positiven Attitüde aus. Der Eröffner kommt mit jeder Menge guter Energie daher und besonders die melodischen Parts fetzen in meinen Gehörgang.

„roots“ ist noch ein klein wenig wummeriger als der erste Track und kommt mit minimalistischen Wortzeilen daher. Beispiel: kauf dein tod / geld blutrot / nein! bleib wahr / nein! bleib klar / roots rocken / roots lieben / truth lügt nie / truth frisch wie love.1 Die gestreckten Gesangsparts sind schön anzuhören. Das Punkige kommt gut zur Geltung. Alles in allem gefällts mir.

„disco ugly“ hat einen schönen gesampelten Ausschnitt am Anfang. Der Refrain kommt etwas ruhiger und klingt eher melancholisch. Dagegen kommt der Gesangsklang nicht an, denn der klingt schon nicht so düster. Ansonsten ist der Track eher langweilig, besonders das Ende zieht sich zu sehr in die Länge. Das dutzendfach wiederholte „work it out“ ist nicht so meins.

Ein deutlich schnellerer Song ist „spirit“, der auch mit guten Lyrics glänzt. Abwechslungsreich. Punklastiges Schlagzeug.

„scars“ ist eher langsam, entwickelt sich aber äußerst positiv vom Anfang hin zum Refrain. Der Refrain ist aber eher mäßig. Der Text ist zwar tiefgründig, aber kommt nicht gegen das überwiegende Element der Musik an. Am Ende stellt sich das Lied auch als eher zäh heraus, da es sich zum Schluss hin dehnt.

„street“ besitzt einen ruhigen Rhythmus. Der Refrain ist schwach. Die Verses dafür ganz gut. Im großen Ganzen aber kein besonderer Song.

In „fruity loops“ wird abstrakt über metaphorisches Brückenbauen gesungen. Es geht eher ruhig zu, doch die Parts wechseln sich gut mit den schnelleren ab. Der Tempuswechsel kommt ganz gut.

B-Seite:

Trotz des Titels klingt „pop“ gar nicht poppig. Kommt ein wenig melancholisch daher, was in dem Fall aber nicht schlecht sein muss.

Einen Emo-Text in (vermeintlicher) Reinform liefert „cut“: die grosse qual hat ein ende / mühsam wandern die hände / übers gesicht, kein weg, nur / mittendurch, das ist freiheit. Die Lyrics passen gut zu dem generell eher langsameren Stück, das mit schönen Backing-Vocals glänzt.

„mess“ ist der einzige Song auf der Platte, der komplett auf Englisch verfasst ist. Ansonsten gibt’s zu dem Lied aber nicht wirklich was zu sagen: eher solala.

Bei „loser“ fällt es einem schwerer. Auf der einen Seite ist da Abwechslung und Parts, die wie Krach klingen. Aber der Krach in gute Formen gepackt ist. Es ist also guter Krach, zumindest teilweise. Und gegen Ende bekommt der Song doch mehr Strukturen.

Bei „emowürstchen unite“ wurde auch ein gesampeltes Kurzgespräch reingeschnitten. Der Track ähnelt einer Hymne und ist nicht umsonst ein zentrales Motto bei Katzenstreik. Drisht und geht gut ab! Punkige Parts und parolenhafte Backing-Vocals: „emowürstchen unite woahoo“. Für mich vielleicht der beste Song der ganzen Platte.

„watch out“ ist ganz gut. Nur der Gesang nervt am Anfang ein wenig, da er krächzig in’s Mikrofon gebrüllt wird.

Der letzte Song „herz auf der zunge“ ist insgesamt ein harmonischer Song. Nur der Refrain klingt noch nicht sehr ausgereift. Als Abschluss wirklich nichts besonderes, aber dennoch ganz gediegen.

Ich habe recht lange überlegt, wie ich zu der Musik auf dem Album stehe. Wie bei vielen Alben anderer Bands ist es eher so, dass es sich meines Erachtens nach um eine Platte handelt, die man gerne bei sich im Hintergrund laufen lassen kann. Man kann sie zwar auch ganz bewusst anhören und mitsingen und die Lieder gut finden. Versucht man aber zu sehr die einzelnen Stücke zu analysieren und achtet man mal auf die Strukutren, die Lyrics und die Melodien, dann bleibt nicht mehr viel von den Stärken der Songs, die vorher doch noch ganz nett geklungen haben. Von daher würde ich sagen, dass die Platte alles in allem schon auf recht passablem Niveau steht, jedoch finden sich leider kaum Hitfaktoren, denn selbst „spirit“ oder „emowürstchen unite“ vermögen sich nicht deutlich von den anderen Songs abzuheben. Vor dem Hintergrund, dass ich mir bereits zwei weitere Alben von Katzenstreik ausführlich zu Gemüte geführt habe, nämlich „IIII“ und „Move“, würde ich sagen: Da geht definitiv noch mehr. Auch wenn das, was geliefert wird, an sich ganz ordentlich ist. Interessant ist es auch zu lesen, dass die Rezensionen auf Beatpunk und Unterm Durchschnitt von meiner stark auseinandergehen.

  1. Teilweise weichen die Lyrics, die abgedruckt und mit der LP kommen, von den tatsächlich eingespielten Aufnahmen ein wenig ab. [zurück]

Wenn der Tanzball die internationale Völkerfreundschaft retten soll…

kommt selten etwas Gutes dabei heraus:

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Dass die beiden netten Menschen aus Erfurt auf dem Foto ihre Liebe gegenüber Iraner_innen zum Ausdruck bringen, ist vielleicht ein wenig Iranophilie. Weil: Warum nicht auch Menschen aus anderen Teilen der Erde lieben und denen das gleich mitsagen? Besser finde ich es dann schon, wenn sie den Menschen im Iran versichern, dass sie [!] niemals Iran bombadieren werden. Das ist doch mal was im Kampf gegen die „schon auf hochtouren laufende Kriegspropaganda gegen den Iran!

Dem HR ist der schwarze Block nicht schwarz genug


(Kleiner Tipp: Rechtsklick auf das Bild und dann „Grafik anzeigen“ auswählen)

Bei einem Bericht der hessenschau vom 01.04.2012 über die antikapitalistische M31-Demonstration in Frankfurt bekommt eine Person durch den Hessischen Rundfunk ganz einfach mal mehr Anonymität in’s Bild retuschiert, auch wenn andere Demonstrant_innen in dem Beitrag weniger Glück hatten.

Neulich bei uns im autonomen Zentrum


Charles Bronson

Auch wenn es für dieses Blog eher ungewöhnlich ist, folgt hier eine kurze Bandvorstellung:

Der Name Charles Bronson wird meist mit der Persönlichkeit des gleichnamigen Schauspielers verbunden, der 2003 verstarb und vor allem für seine Rolle im Film Spiel mir das Lied vom Tod bekannt ist. Bronson spielte aber auch in unzähligen anderen berühmten Action- und Westernfilmen mit, wich dabei jedoch nie von seiner typischen Rolle ab, die ihn als wortkargen Revolverheld charakterisierte.
Eben an jenem Schauspieler orientiert sich der Name jener Band, die Gegenstand dieses Artikels ist.

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Charles Bronson wurde 1994 in einer Kleinstadt in Illinois (USA)1 gegründet. Die Band wurde maßgeblich durch Infest geprägt, aber auch Elemente der Genres (Youth Crew) Hardcore und Trashcore sind in einigen ihrer Stücke zu erkennen. Der Sänger, Mark McCoy, spielte später bei den Bands Das Oath, Holy Molar und diversen anderen mit. Oft wird C.B. mit Straight Edge assoziiert, so finden sich dem sXe entsprechende Thematiken durchaus in ein paar Songs, wie z.B. Diet Rootbeer, Your Average Generic Run Of The Mill Straight Edge Song und They Should Legalize Drugs So You Can Hurry Up And Fucking Die (uvm.) wieder. Allerdings sind oder waren nur zwei der vier Mitglieder (darunter auch McCoy) straight.

Glaubt mensch dem englischsprachigen Wikipediartikel der Band, waren C.B. in ihrer dreijährigen Geschichte auf insgesamt über 21 Labels verpflichtet und brachte ein Demotape, fünf 7 inches, eine LP, die Discography „Complete Discocrappy“ und unzählige Compilations heraus.

Mein persönlicher Lieblingssong:


the fact that you‘re content with life scares me almost as
much as the thought of myself at your
ripe old age. graduated into a full-time
position of total and complete idleness and boredom

look at you – it’s fucking pathetic

that you expect us to feel sorry for everything
that you chose to do. so get over it and move on
cuz i know you don‘t fucking care
so don‘t act surprised when the phone stops ringing

cuz all that’s left is your lame cardboard world

that sucks so bad, but nobody wants to fucking hear it
when you won‘t even go out past ten at night
yeah, life’s fucking miserable
especially when you consider how fast you‘ve been aging these days

Natürlich ist die Band und ihre Songs nicht unproblematisch. Manche Texte sind schon aufgrund ihrer Thematiken kritisch zu betrachten. Nur ein Beispiel ist der Song Craig Ferris Sucks A Mean Cock, der nicht allein schon durch den Titel sexualisierend und homophob ist, sowie stumpfe Streitigkeiten, Hass und Gewalt abfeiert.

Wenig informativ, dafür aber mit viel Videomaterial von Livemitschnitten, ist ein zweiteiliger Kurzfilm.

  1. Trivia: Die Stadt heißt DeKalb und ist benannt nach dem deutschen General Johann von Kalb, der auf Seiten der Kontinentalarmee an der Amerikanischen Revolution teilgenommen hat. [zurück]

Konsumkritische Deutsche

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(gesehen auf Facebook)
Eine Teilnahme würde ich mir überlegen. Schließlich braucht mein Rasenmäher bis zum 11. März noch keinen Sprit. Bei einem vorherigen Anlauf hat das Ganze ja noch nicht so gut funktioniert. Woran mag das bloß gelegen haben?